von Markus Reinhard und Kurt Meier
Die Geschichte der Schnellpresse gehört nur geschichtlich zur OpenArt-Galerie, da vieles vor der Entstehung der Galerie stattgefunden hat. Trotzdem scheint es mir interessant genug, hier die Geschichte wiederzugeben.

Die Schnellpresse hat den Raum am 2. Februar 2018 verlassen.
Die heutige OpenArt-Galerie war ursprünglich eine Druckerei. Peter Schleiss, der Vormieter, hatte die Druckerei 1988 von Kurt Meier übernommen. In dieser Druckerei stand eine Lithografie-Schnellpresse. Ein schönes schwarzes Monstrum, auf dem mittels Lithografie-Steinen grosse Mengen an Drucken (Lithografien) hergestellt werden konnten.
Ca. 2010 hat mich Peter Schleiss über das Internet gefunden und kontaktiert, weil sein Computer für die Belichtungsmaschine ausgestiegen war. Ich hatte damals auf meiner Webseite verschiedene alte Computer publiziert, weil ich wusste, dass unter anderem Druckereien manchmal Ersatz für ihre Computer benötigten. Es war oft nicht möglich, alte Computer durch neue zu ersetzen, da die teuren Spezialkarten für die Ansteuerung, z. B. von Filmbelichtern, nicht einfach in neuen Computern verwendet werden konnten.
Peter hat mir einen Macintosh 8100 gebracht, bei dem das Netzteil in Rauch aufgegangen war. Ich habe dann das Netzteil ausgewechselt und auch sonst den Computer überprüft und zurückgebracht. So habe ich Peter Schleiss kennengelernt.
Als ich seine Werkstatt besuchte, fiel mir gleich die riesige Schnellpresse auf, neben anderen kuriosen Geräten wie einer Heidelberg-Druckmaschine, einer Polar-Schneidemaschine und vielen anderen Geräten. Auf jeden Fall war das für mich ein Zeitsprung. Als ursprünglicher Mechaniker und Maschinenbauingenieur habe ich immer die alten Werkstätten und Maschinen geliebt.
Die Schnellpresse hatte mich sofort fasziniert. Peter jedoch hatte schon 10 Jahre keine Aufträge mehr für dieses Monstrum und wollte es verschrotten. Das kam für mich überhaupt nicht infrage, ich musste dieses Industriedenkmal retten. Damals hatte ich schon mein Atelier oberhalb der Druckerei.
Wir haben dann angefangen, einen Abnehmer für die Maschine zu suchen. Thomi Wolfensberger (Wolfesnberger AG) in Zürich druckte ebenfalls auf einer Schnellpresse und kam vorbei, um einen Testdruck zu machen, bei dem ich dabei war. Er wollte dann die Maschine doch nicht, da sie nicht seinen Erwartungen entsprach (wie ich später von Kurt Meier erfahren habe, war die Schnellpresse ursprünglich für dünne Papiere gebaut worden, Kurt Meier hatte sie umbauen lassen, damit auch dickere Papiere (Büttenpapiere) gedruckt werden konnten, jedoch fehlten einige Einstellmöglichkeiten).
Dann habe ich angefangen, in der Schweiz einen Abnehmer zu suchen. Unter anderem habe ich das Papiermuseum in Basel angefragt, ob sie Interesse hätten. Die Schnellpresse ist sehr gross und schwer, sodass sie keinen Platz gefunden hat. Gerhard Stockinger, damaliger Direktor des Papiermuseums, gab mir den Tipp, es mit der Association of European Printing Museums (AEPM) zu versuchen. Dort habe ich dann angefragt, ob sie die Schnellpresse in ihre Maschinenliste aufnehmen könnten. Im Juli 2017 wurde das Inserat auf der AEPM-Webseite online geschaltet. Die Schnellpresse war gratis zu haben, der Transport ging jedoch auf die Kosten des Abnehmers.
Im September 2017 hat mich Aristotelis Panayiotopoulos aus Griechenland angerufen und gefragt, ob die Maschine noch zu haben sei. Wir haben dann öfter telefoniert und ich habe geholfen, ein lokales Unternehmen zu finden, um die Schnellpresse zu verladen. Aris hat eine Spedition gefunden, die das Monstrum nach Griechenland transportiert. Im Januar 2018 habe ich die zwei Brüder Panayiotopoulos vom Bahnhof abgeholt und zu Peter Schleiss gebracht.
Die beiden Brüder haben dann die ganze Woche von Peter Schleiss gelernt, wie die Maschine zu handhaben ist und wie man damit druckt. Am Donnerstag wurde die Maschine vom elektrischen Netz genommen und reisefertig gemacht.
Am Freitag, dem 2. Februar 2018, wurde die ganze Druckerei von Peter Schleiss in den Hinterhof gestellt, damit die Schnellpresse den Raum verlassen konnte. Sie wurde auf die Strasse gezogen, um sie zu verladen. Die ganze Strasse war gesperrt, bis die Maschine auf den Lastwagen verladen wurde. Die Polizei war vor Ort und hat geholfen, den Verkehr zu regeln (was nicht mal abgemacht war). Um 11 Uhr war dann alles erledigt und auch die Druckerei wieder eingeräumt. Es hat alles perfekt geklappt.
Da die Schnellpresse doch ziemlich schwer war, mussten die Gebrüder Panayiotopoulos in Patras den Boden ihres Druckateliers verstärken. Ein Jahr später konnte dann die Schnellpresse in Patras wieder in Betrieb genommen werden.
Ich bin heute noch stolz darauf, dass ich die Schnellpresse gerettet habe. Kurt Meier, den ich erst 2022 kennengelernt habe, war sehr erfreut, als ich ihm erzählt habe, was mit «seiner» Maschine passiert ist.
Ich habe in den folgenden 1–2 Jahren regelmässig Anfragen aus ganz Europa bekommen, ob die Schnellpresse noch zu haben sei. Wahrscheinlich hätten wir 5–7 Maschinen vergeben können!
Kurt Meier hat 2026 einen Kurzfilm über die Schnellpresse auf YouTube gestellt.
Die Geschichte einer Schnellpresse
